Vier Kerzen brannten am Adventskranz

Es war still. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen. Die erste Kerze seufzte und sagte: Ich heiße Frieden.

Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden, denn sie finden mich nicht.
Sie suchen mich im Kampf, in der Flucht oder sind vor Schreck ganz erstarrt.
Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz.


Die zweite Kerze flackerte und sagte: Ich heiße Verständigung, aber ich bin überflüssig. Die Menschen finden den Ort nicht, wo fehlbare Menschlichkeit selbstverständlich ist, wo ein Verzeihen mühelos gelingt! Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne.

 

Ein Luftzug wehte durch den Raum und die Kerze war aus.

Leise und traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort:

Ich heiße Liebe.

Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen nehmen mich nicht wahr, sie sind im Verstand verstrickt. Gefangen im Schubladendenken von Richtig und Falsch. Die Menschen sehen, spüren sich selbst und die anderen nicht. Sie haben den Kontakt zur Liebe, zur Echtheit verloren. Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.

Da kam ein Kind in den Raum. Es schaute die Kerzen an und sagte: Aber, aber, ihr sollt doch brennen und nicht aus sein! Und fast fing es an zu weinen.

Da meldet sich auch die vierte Kerze zu Wort.

Sie sagte: Hab keine Angst! So lange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden. Ich heiße Hoff-nung und bin das UrVertrauen ins Leben. Mit einem Streichholz nahm das Kind Licht von dieser Kerze und zündete die anderen Lichter wieder an.

 

                                                                                                Habt es gut!  Brigitte

Ursprungstext mir unbekannt. Geändert von Brigitte Zieren-Kobsa